kingwitch underthemountainDas wird kein normales Review, denn, da ich KING WITCH im letzen halben Jahr lieben gelernt habe, muss ich ein wenig weiter ausholen. Teile des Textes enthalten auch Informationen aus kurzen Chats mit Sängerin Laura zu Band und Entstehungsgeschichte. Ich werde versuchen den Schottischen Dialekt der Bande aus Edinburgh in einem Interview zu erforschen. Zum eigentlichen Album-Review komme ich weiter unten.

Das Malta-Doom-Metalfest und seine Nachbeben: KING WITCH eröffneten das Festival und liessen sofort einige Kinnladen herunterklappen. Die Band feuerte eine massive Doom-Riff-Welle auf die Anwesenden los, der sich kaum einer entziehen konnte. Die Präsenz und Stimmgewalt von Sängerin Laura trieb mir und vielen anderen die Freudentränen in die Augen. Auch wenn man die Songs noch nie zuvor gehört hat, wurde man sofort davon ergriffen. Von welchem Planeten stammen die? Da ich mit dem Urlaubsgeld haushalten musste, konnte ich mich mich nicht gleich mit Merch der Band eindecken. Die Debüt-EP sollte es zu meinem Glück auch bei Bandcamp geben. Als ich die Songs dann dort in Studioqualität hörte, festigte das noch zusätzlich meinen Eindruck vom Auftritt.

Ich hatte schnell einen Vergleich im Hinterkopf: so ähnlich wie die Kalifornier BENEDICTUM und Sängerin Veronica „V“ Freeman, jedoch weniger brachial-Metal sondern mehr epischer Doom-Metal. Das fällt einem doch glatt CANDLEMASS und DIO ein, aber - und jetzt steinigt ihr mich - wäre mir deren Musik mit dieser herausragenden Stimme sogar noch lieber. Ein paar Aufnahmen bei Youtube beweisen Lauras Können bei „Stand Up And Shout“. 
Stellenweise singt Laura als hätte sie Hummeln im Hintern. Mein Vergleich kommt nicht ganz von ungefähr: Die Vorgängerband Firebrand Super Rock wies in Richtung des metallischen Musikstils, jedoch löste sich die Band auf und Gitarrist Jamie suchte sich mit Sängerin und Frau Laura neue Mitstreiter für ein doom-lastiges Projekt aus dem 2015 KING WITCH entstanden.

Das erste Lebenszeichen in Form von drei Songs auf der „Shoulders Of Giants“ - EP ließ nicht lange auf sich warten, da die Musiker sich schnell einer Meinung waren wo die Reise hingeht. Ich sag euch was: diese drei Songs haben es mehr als in sich. Jeder für sich eine herausragende Kompostionen, bei der man sich überraschend schnell zu Hause fühlt. Ich freute mich sehr über die Ankündigung der Band über das kommende Album auf deren Facebook-Seite, denn die Lust auf mehr war geweckt.

„Beneath The Waves“ gab es als ersten Appetithappen zu hören, präsentiert mit einem toll gemachten Videoclip zu Thema. Dieses Lied zu Beginn des Albums „Under The Mountain“ strotz nur so vor fetten und mitreisenden Riffs, die Gitarrist Jamie scheinbar mühelos aus dem Arm schütteln kann, wie die weiteren Songs des Albums zeigen. Den vorherrschenden 80er Jahre Vibe lässt man zum Ende mit einem CROWBAR-inspirierten Riff ausklingen.


Weiter geht es mit „Carnal Sacrifice“, eine flotte Nummer bei der Laura beinahe alle Facetten ihres Gesangs präsentiert. Wäre nicht der starke, beinahe überpräsente Halleffekt, ihre Stimmgewalt würde gnadenlos sämtliche Instrumentierung übertönen.

Ich will hier jetzt auch gar nicht so sehr im Einzelnen auf die Songs eingehen, sonst wäre das einfach zu viel und der Überraschungseffekt ist dann nicht mehr ganz so stark. Eines sei jedoch verraten: die Lieder sind stilistisch zwar ähnlich, jedoch kann man nicht von „aus einen Guss“ sprechen, dafür sind diese zu abwechslungsreich. Quasi ein Best-of von allem, was die vier aus Edinburgh so drauf haben. Das Ganze wird von dem hypnotisch und sirenenhaft wirkenden Gesang zusammengehalten, der jederzeit im Raum über den Instrumenten thront.


Alleine „Approaching The End“ und „Black Dog Blues“ möchte ich noch hervorheben. Ersterer ist eine langsame, behutsame Nummer mit brachialen Ausbrüchen, die einem mit dem melancholischen Unterton sofort unter die Haut kriecht. Astreiner epischer Doom.


Bei „Black Dog Blues“ am Ende von „Under The Mountain“ musste ich bei Laura nochmal nachhaken, denn es kam mir vor wie eine aufgewärmte Nummer aus früheren Schaffensphasen, die Bands gerne mal ans Ende von neuen Alben packen - so unterschiedlich ist der Song im Vergleich zu den vorherigen.

„Keineswegs!“ meinte sie sofort. Alle Songs seinen aus einer Schaffenphase nach der EP und eben stilistisch unterschiedlich, da man diese Stile eben auch mag. „Ein natürlicher Entwicklungsprozess!“, so Laura. Sie hätten zu Zeiten der EP als Band noch nicht zusammen live gespielt und all diese Erfahrungen seien in „Under The Mountain“ eingeflossen.
„Black Dog Blues“ ist ein ziemlich sperriger hektischer Tritt in den Hintern nach all den ausladenden Riffs und epischen Gesangseskapaden. „Wir hatten den Song aufgenommen und sahen keinen Grund ihn nicht aufs Album zu packen!“ So Laura abschließend.


Ehrlich gesagt kann ich mir das Album ohne den Song auch gar nicht mehr vorstellen. Wie schon erwähnt wirkt auch dank Lauras Gesang am Ende alles wie aus einem Guss.

Als Einschub die thematische Beschreibung der Songs mit den Worten der Band im Original:

„Beneath The Waves“
This is inspired by stories such as Moby Dick and explores man's need to destroy anything and everything beautiful, dangerous and unfamiliar... and the retribution dealt in return.



„Carnal Sacrifice“
This song is a homage to all the old Hammer Horror films, particularly To The Devil A Daughter. An innocent born for the sole purpose of being a sacrificial vehicle of hell - topped off with some fake tomato sauce blood!



„Solitary“
This song is about Mother Earth birthing the human race only to be sucked dry and left barren. It’s about a vast loneliness that can be felt even when surrounded by life.



„Under The Mountain“
Under The Mountain is an upbeat classic metal song! It reeks of adventure. The lyrics have been inspired by stories such as Conan the Barbarian and Lord of the Rings



„Approaching The End“
A song about the moments before death and the feeling you’ve not achieved everything you wanted / needed to. It’s about the creeping fear that it's not all white lights and glowing tunnels and about the not knowing where we go and what happens to us after death.



„Ancients“
Ancients focuses on the majesty of the Mountain. Breathtakingly beautiful yet treacherous to all. Inspiration comes from our home, Scotland which is filled with ancient mystery and awe inspiring mountainous landscapes.



„Hunger“
Hunger is about man's greed and the feeling of never being satisfied with life, which further drives humankind to destroy and consume relentlessly.



„Possession“
Possession can be either about demonic possession or insanity. In both you are not yourself - like someone or something else trying to get out.



„Black Dog Blues“
Something most of us can relate to: This is about depression and how it feels like something that is always with you like an old acquaintance. It lurks and waits, then, when you least expect it it slides on in and makes itself at home.



Es bleibt zu sagen, dass „Under the Mountain“ ein mehr als starkes Debüt-Album ist, erschaffen von Musikern, die nicht erst seit gestern Musik machen und genau wissen was sie wollen. Jamie schüttelt sich unfassbar virtuose Riffs aus dem Handgelenk, unterstützt von Basser Joe und Drummer Lyle, als stabiles Fundament. Jedes Stück kann für sich alleine stehen und dennoch ergeben sie nur gemeinsam auf dem Album in genau dieser Reihenfolge Sinn. Ein Gebräu aus dem Besten vom Old-School Metal, gewürzt mit klassischem Rock. Die Kompositionen sind interessant und abwechslungsreich, die Aufnahmequalität ist auf einem hohen Level. Die Instrumente lassen sich klar voneinander unterscheiden und es klingt sehr organisch. Beim von ihr entworfenen anspruchsvollen und ansprechenden Albumcover zeigt Laura, dass sie auch grafische Talente besitzt.

KING WITCH vermögen es Fans verschiedener Stile für sich zu gewinnen, altes mit neuem so zu kombinieren, dass es für alle funktioniert. Zu keinem Zeitpunkt sucht man den „Ausknopf“ oder möchte „Vorspulen“. Alte Klassiker gibt es viele, die Messlatte liegt hoch liebe Freunde! Wer jedoch sagt, dass man nicht auch im Jahre 2018 einen Klassiker veröffentlichen kann? Ich hoffe es gibt da draussen in der weiten Welt genau die mutigen Leute, die das auch so sehen und der Band zumindest zur geplanten Tour durch Europa einen warmen Empfang breiten. KING WITCH treten Arsch! Genau die richtige Pflege für das angerostete Metal-Heart. (Andreas)

Bewertung:

Andreas9,5 9,5 / 10


Anzahl der Songs: 9
Spielzeit: 42:59 min
Label: Listenable Records 
Veröffentlichungstermin: 09.02.2018

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