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desolationangels kingRalf: Hallo, hier ist Ralf vom deutschen Neckbreaker-Magazin. Wie geht’s euch denn so bei den DESOLATION ANGELS?

Robin Brancher: Hallo Ralf, auch an dein Neckbreaker Team und eure Leserinnen und Leser, es freut mich hier zu sein. Ich mag den Namen „Neckbreaker“ übrigens. Sehr passend! Hier im DESOLATION ANGELS Hauptquartier geht’s uns gut. Hier ist grad richtig was los und die Vorfreude ist riesig weil es schnell auf unser nächstes Release von „King“ am 23. Februar zugeht.

Ralf: Das neue Album „King“ ist draußen. Seid ihr zufrieden damit?

Robin: Zunächst einmal bin ich wirklich froh über das Plattencover, das Dissonance Productions (unser aktuelles Plattenlabel) für das Digipack erstellt haben, und ja, ich bin total zufrieden mit „King“. Je mehr man das Album anhört, umso mehr spürt man seine Verkörperung des Rock n Roll Geistes. Ich bin auch begeistert, dass „King“ wirklich großartige Reviews erhält. Überall gibt’s Daumen nach oben und diese positive Resonanz hilft einem sehr das Ganze weiterzutragen und die Heavy Metal Fahne für uns verrückten Moshpit-Headbanger hochzuhalten.
Paul Taylor: Wir sind wirklich zufrieden mit „King“, es gibt keinen einzigen schlechten Song darauf. Ich bin sehr stolz Teil davon gewesen zu sein. „King“ ist ein besonderes Album, von dem ich glaube, dass es in nur kurzer Zeit Classic Status bekommen wird.

Ralf: Ihr habt „King“ mit der Produzentenlegende Chris Tsangarides aufgenommen. Wie gestaltete sich die Arbeit mit Tsangarides und wie geht ihr mit seinem plötzlichen Tod um?

Robin: Wir waren total geschockt und traurig über die unerwarteten und tragischen Nachrichten von seinem Tod! Er war auf der einen Seite ein Unikum, aber auch ein total stiller und sozialer Mann. Er hatte uns von früheren gesundheitlichen Problemen erzählt, aber er wirkte zu der Zeit zu der wir mit ihm zusammenarbeiteten, sehr zuversichtlich und es klang, als gehörten diese gesundheitlichen Probleme der Vergangenheit an. Ja, es war ein schlimmer Schock diese traurigen Nachrichten zu hören. Unsere Zusammenarbeit mit Chris war eine fantastische Erfahrung und auch eine Ehre. Es ist vermutlich insgesamt die definierende Qualität des „King“-Albums und wahrscheinlich das einzige Geheimnis, warum es so verdammt kraftvoll klingt. Es ist Tatsache, dass wir ziemliches Glück hatten, dass „King“ von einem der größten Rock/Metal-Produzenten der Welt aufgenommen, gemischt und produziert wurde! Von unserem Freund und unserer richtungweisenden Kraft, Mr. Chris Tsangarides! – Gott hab ihn selig.
Paul: Mit Chris zusammen zu arbeiten war großartig. Er war ein extrem talentierter Produzent mit den Taschen voll legendärer Erfahrung und Geschichten, die bei uns Lachanfälle ausgelöst haben. Letzteres hat ein wenig aufgehalten, aber das war es absolut wert!

Ralf: Euer neuer Sänger Paul Taylor ist von den legendären ELIXIR. Wie ist es denn dazu gekommen?

Robin: Wir haben Paul natürlich aus seiner ELIXIR Zeit gekannt, und als Curly ausgestiegen ist, lag es auf der Hand, dass Paul und DESOLATION ANGELS sich zusammentun sollten. Einige Jahre bevor Paul tatsächlich zu uns gestoßen ist, ist er schon einmal privat auf Keith und mich zugekommen (weil er ein kluger Mensch ist!). Und in diesem Gespräch teilte uns Paul seinen Wunsch mit, bei der Band einzusteigen, sollte sich dazu irgendwann die Gelegenheit ergeben. Die Zeit verging… besagte Chance kam … und dankenswerter Weise ist er jetzt dabei. Er ist in der Tat ein großartiger Sänger.
Paul: Sie hatten Glück! (lacht) Ernsthaft, ich war mit MIDNIGHT MESSIAH beschäftigt, als Phil (Denton) krank wurde und mit dem Touren und den Live-Shows aufhören musste. Dave Strange half bei TYTAN aus, Darren ging zu WEAPON und ich stand ziemlich alleine da. Dann sah ich einen Facebook-Aufruf von DESOLATION ANGELS, dass sie einen Sänger suchen. Ich kenne Keith und Robin schon seit den 80ern und dachte ich schreib ihnen mal und schaue ob sie Interesse haben. Und der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte!

Ralf: Das neue Album ist ziemlich heavy und modern, aber dabei gehen eure Wurzeln nicht verloren – würdet ihr dem zustimmen?

Robin: Ja, ich bin ganz deiner Meinung. Als Songwriter können wir nur das tun, was wir am besten können und das ist unsere Sorte Heavy Metal abzuliefern, mit dem Stil, der mit den DESOLATION ANGELS verbunden ist. Aber im Laufe der Jahre haben wir natürlich Hinweise und Ratschläge von all jenen, die uns im Laufe der Jahre in der Industrie begegnet sind, angenommen und von deren Techniken und Unterricht gelernt. Deshalb sind unsere Songwriting-Qualitäten im Verlaufe der Jahre gewachsen und besser geworden. Man könnte sagen, wir haben das, was wir ursprünglich getan haben, weiterentwickelt und heutzutage denken wir mehr darüber nach wie wir schonungslosere, eingängigere und druckvollere Heavy Metal Songs abliefern können!

Ralf: DESOLATION ANGELS gibt es schon sehr lange. Gibt es irgendetwas, das ihr im Rückblick bereut? Was treibt euch weiter an?

Robin: Das ist eine schwere Frage. Ich bereue eigentlich nichts aus der Vergangenheit, nein wirklich nicht. Wir hatten das Glück, dass wir genug und weit reisen konnten, um all diese Rock n Roll Clichè-Dinge tun zu können in unserer Jugend… Das heißt jetzt nicht, dass wir heute nicht immer noch aufstehen um Unfug zu treiben und uns daneben zu benehmen (lacht). Was treibt die Band weiter an? Für mich persönlich geht es darum, Gitarre und noch mehr Gitarre zu spielen. Um die Arbeit mit dem Instrument und den Genuss beim Spielen. Auch um das Songwriting, ich liebe es Riffs zu schreiben, ich kann gar nicht genug davon bekommen! Solange das so ist, werde ich weitermachen. Aber ich kann DESOLATION ANGELS nur mit meinem Kumpel Keith weitermachen. Wir sind eine Symbiose im DESOLATION ANGELS-Abenteuer.

Ralf: Die DESOLATION ANGELS haben ein breites Fan-Spektrum hinter sich, welches sich aus fast allen Metal-Stilen zusammensetzt. Ist das eure Stärke und wo stoßt ihr an eure Grenzen?

Robin: Danke für das Kompliment. Auch hier würde ich sagen macht es das Songwriting aus. Wir haben uns sehr darin verbessert Songs zu schreiben und wir sind im Laufe der Jahre mit sehr großartigen Leuten zusammengetroffen, die uns sehr gute Ratschläge gegeben haben. Deshalb sind unsere Songs voll von Melodien, Refrains und sie haben ein Herz und eine Seele. Unsere Einflüsse sind solche Größen wie BLACK SABBATH, JUDAS PRIEST und LED ZEPPELIN und viele andere tolle Bands. Es ist also dieses breite Spektrum an Einflüssen, die es uns ermöglichen, die Grenzen immer weiter auszudehnen wenn du so willst. Vielleicht kann man das als unsere Stärke bezeichnen? Für mich gibt es keine Grenzen, wirklich keine. Mach einfach das, von dem du denkst, dass es sich für den Song richtig anfühlt und hau es raus!
Paul: Es gibt kein Muster um verschiedene Stile einzubeziehen, die Dinge kommen einfach so raus. Ich finde, dass Keith und Robin erfrischend unterschiedlich schreiben und das gibt allem ein frisches und modernes Gefühl. Starke harte Riffs und stimmige Melodien sind immer das perfekte Rezept für großartige Songs.

Ralf: Du bist zu einer Zeit nach Los Angeles gezogen, als echter Metal dort nicht sehr beliebt war . Welche Erfahrungen hast du dort gemacht?

Robin: Oh Gott, was für eine Frage! Wo soll ich denn da anfangen? Vielleicht am Anfang! … Das erste was dich erwartet, wenn du in LAX ankommst, das Flugzeug mit Klimaanlage verlässt und durch die Terminals gehst, die ebenfalls mit Klimaanlage ausgestattet sind und zum Taxistand gehst, ist die schöne Hitze, die dich erwischt, wenn du auf die Straße hinaus trittst. Fuck, mann, das ist absolut wundervoll! Bis heute kann ich spüren wie die großzügige Hitze von LA meine Haut umschmeichelt. Diese Sinneswahrnehmung wird nicht vergehen. Diese erste glorreiche Kostprobe, wie dich diese Überraschung und die Verwunderung opulent übermannen. Die Sinne erlaben sich einer wundervollen neuen Welt. Dieses Willkommen im „Land der Freien und Heimat der Tapferen“ klatscht dir mit geballter Faust ins Gesicht. Metaphorisch betrachtet, gilt dies für unsere gesamte LA-Erfahrung. Für mich hatte dieses Unterfangen gelinde gesagt einen außerordentlichen Einfluss auf mein weiteres Leben. Lest weiter, Freundinnen und Freunde…
… Lass mich mit den schlimmsten Seiten anfangen. Das wäre die Isolation und der Untergang der DESOLATION ANGELS LA. Lasst uns das jetzt ein und für alle Mal klären und ein paar Missverständnisse aus dem Weg räumen. Die Leute, die Medien, die Heavy Metal Enzyklopädien und der öffentliche Konsens sind der Meinung, dass wir uns aufgelöst hätten. Ich glaube, dass es darauf auch eine andere Sichtweise gibt. Ich würde eher sagen, dass wir uns eine Auszeit genommen haben. Die Band war erschöpft, das Management hat versagt, es gab Unterbrechungen durch Wutanfälle, die durch Drogen und Alkohol induziert waren, totale Missverständnisse, heftiger Wahnsinn… es war ein einziges verf``` tes großes Durcheinander! Ein absolutes Chaos. Freunde fürs Leben gingen einander an den Kragen, überall blühten die Gerüchte und das Hörensagen, die Geldgeber verloren ihr Vertrauen und wir waren mittellos. Die Musikindustrie wendete sich den nächsten zu… Irgendwie haben wir es dennoch geschafft unser zweites Album „Whilst The Flame Still Burns“ zu machen. (Ein merkwürdiger Titel, wenn man bedenkt, dass die Flamme gerade kurz davor war für immer zu erlöschen! Der Titel stammte aus glücklicheren Tagen).Nachdem wir das Album fertig aufgenommen und abgemischt hatten, gelang es uns noch damit in LA zu touren. Es gab auch gute Reviews. Aber wie ich schon gesagt habe und was du auch schon in deiner Frage angedeutet hast, war echter Metal nicht sehr populär, die Industrie war hinter dem neuen Trend „Glam“ und „Speed“ her. Nachdem wir mit dem Album die Runden gedreht hatten, die unsere Businesskontakte noch erlaubten, haben wir mit den DESOLATION ANGELS LA Schluss gemacht und sind zurück nach Großbritannien gezogen. Ich sage wir, aber zwei vom ursprünglichen DESOLATION ANGELS Line-Up sind nie zurück gekommen und wohnen bis heute in LA. Also haben wir uns in Großbritannien mit neuem Sänger und Schlagzeuger neu formiert, was für noch mehr Verwirrung gesorgt hat und die Not in den bereits überfrachteten und erschöpften Hirnen der verbliebenen Mitglieder weiter vergrößert hat. Schließlich ging auch Dave Scutt (Bass) und das wars. Keith und ich konnten es nicht mehr zusammen halten. Wir brauchten eine Pause. Es war eine Schande nach so vielen fantastischen Jahren in Los Angeles so zu enden. Ich könnte das noch weiter ausführen, aber das würde den Rahmen sprengen!
Um es kurz zu machen, brachte LA jede Menge Spaß, vom Anfang bis zum Ende. Das Album war ein großer Schritt nach vorne für Keith und mich. Wir haben eine Menge gelernt. Tatsächlich war das ganze Abenteuer des Umzugs nach LA eine massive Lernkurve. Es gab dort alles, alle wussten was sie taten, ob aus der Industrie, die Clubbetreiber, bis hin zum durchschnittlichen Gitarristen auf der Straße. Musikalisches Können, Deals und Erwartungen waren auf einer viel höheren Ebene als wir das aus der Vergangenheit kannten und mit den Typen aus der Industrie konnte man nicht umspringen wie man wollte. Entweder beugst du dich und hörst denen zu oder es ist sofort vorbei. Tür zu, tschüss! Und das ist wahr. Also haben wir uns als Band da reingehängt, uns unterworfen und angefangen unser Handwerk zu verbessern.
Das Hauptproblem war, dass wir uns in Großbritannien und Europa gemacht hatten, zunächst unsere eigenen Tours und Gigs selbst geplant haben und am Ende spielten wir im Marquee Club in London – und in LA hieß es dann wieder „Wer zum Teufel sind diese englischen Typen?“. Trotz all unserer Bemühungen in Europa, hatte in Kalifornien noch nie jemand von uns gehört. Also mussten wir uns reinhängen und nochmal von vorne anfangen. Deshalb sind wir länger als zunächst geplant in den Staaten geblieben. Nach einer Weile waren wir auf dem Plan, spielten überall am „Strip“ und landeten schließlich in unserem Lieblingsladen im „Trubadour Club“ am Santa Monica Blvd. Wir hatten da ein paar echt fantastische Nächte, haben gespielt und Kontakte geknüpft. Noch einmal haben wir uns bis zum Headliner hochgearbeitet, während wir gleichzeitig die benachbarten Staaten abgrasten und schrittweise weiter und weiter den Norden, Süden und Osten bespielt haben. Das endete in Touren durch alle Südstaaten, dann den ganzen Weg zurück ins Zentrum von Amerika. Und ja, da gab es Ausschweifungen! Viel davon. Der Wahnsinn verfolgt dich auf solchen Trips. Es gab zum Beispiel eine Woche lang Party in Jacksonville, Skorpione in Corpus Christi, Schneestürme in New Mexico, das Hinweisschild am Grand Canyon, dass dieser geschlossen sei. „Eh, was?“ Eine verrückte Bootstour durch den Okefenokee Swamp Park, wo wir für die Truppen gespielt haben, bevor die in den Golfkrieg zogen – „Power Hungry“ (ein Lied auf unserem zweiten Album (WTFSB) war dort ein Riesenerfolg. Der Refrain wurde immer und immer wieder von diesen riesigen Soldaten gesungen, die Bier aus ihren Krügen, die sie in den Händen hielten, soffen. Das war fantastisch. Dann gab es die Nacht wo wir verhaftet und aus unserem Hotel in Las Vegas flogen und die Landespolizisten von Nevada uns in einem Konvoi an die Grenze eskortierten und uns befahlen nie wieder zurück zu kommen. Verdammte scheiße!
Es gab so viele Highlights. Die tollste Sache dabei war Teil einer solchen Erfahrung zu sein, bei diesem Abenteuer dabei zu sein… Von den Fahrten in unserem 69er Band-Cadillac in LA hin zu all den fantastischen Gigs in den USA, den Leuten, die wir kennen gelernt haben, unseren ganzen illustren Freunde in LA und vieles, vieles mehr. Das waren ziemlich brisante und verrückte Zeiten, aber die meiste Zeit war es sehr unterhaltsam und absolut empfehlenswert. Wenn du die Chance für so etwas bekommst, nutze sie! Wir haben das getan!

Ralf: 1994 hat sich die Band aufgelöst. Was ist passiert?

Robin: Die Rückkehr aus Los Angeles hatte den Grund, dass wir faktisch am Ende waren. Die Band war erschöpft von den Reibereien, wir kämpften mit dem Überleben, es gab Missmanagement und ein mangelndes Interesse der Industrie. In unseren Jahren in LA haben wir keine Chance, die sich uns bot, den DESOLATION ANGELS zu einem Interesse und zu einem profitablen Geschäft zu verhelfen, ausgelassen. Ich glaube wenn man schaut, worauf es ankommt um in dieser Industrie voranzukommen , dann läuft es am Ende darauf hinaus, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, wen du kennst, was gerade in der Musik in Mode ist und ob du die richtigen Leute kennenlernst. Echte Leute! Aber glaub mir, würde man mich jetzt fragen, ich würde es wieder tun – Absolut kein Problem!

Ralf: Ich hab euch 2012 auf dem „The Hammer Of Doom“ Festival in Deutschland gesehen. Könnt ihr euch an den Gig erinnern und war das euer erster Ausflug nach Deutschland? Ich glaube ihr hattet da eine Menge Fans?

Robin: Ja, ein toller Tag, wir hatten sehr viel Spaß, ich erinnere mich sehr gut. Es war fantastisch so viele vor und nach der Show zu treffen. Oder das bekloppte StreetClip TV Interview zu machen. Gott, ich bin gar nicht gut vor der Kamera! Nach der Show sind wir durch die Verkaufsstände im hinteren Teil der Arena gezogen. Einer der Verkäufer rief uns zu sich und gratulierte uns zu unserer Show und hat uns dann zur Feier des Tages Jack Daniels in Massen ausgegeben! Ein exzellenter Tag. Es war unsere zweite Show als wir uns als DESOLATION ANGELS reformiert hatten. Vor dem „The Hammer Of Doom“-Festival hatten wir nur einen weiteren Gig gespielt, das war in London beim „The Bull And Gate“ in Camden. Deshalb war es ziemlich nervenaufreibend. Es war tatsächlich unser allererster Trip nach Deutschland um ein Konzert zu spielen, Keith und ich waren allerdings zuvor in Lübeck um unsere Box „Feels Like Thunder“ zusammen zu stellen und zu mastern. Da konnten wir bereits einen sehr guten Eindruck von deutscher Gastfreundschaft gewinnen und von den extrem starken DUNKLEN Bieren! Wir spielen am 3. Oktober beim „Bambi Galore“ in Hamburg und hoffen, dass wir bald noch eine ganze Reihe Shows in Deutschland spielen werden. Wir bitten deshalb Promoter Kontakt mit uns aufzunehmen!

Ralf: Wenn du zurückblickst, wie hat das mit DESOLATION ANGELS angefangen?

Robin: Ich glaube man kann sagen, dass unsere erste Band BLACKWATER FEVER unsere Vorschule war. Wir haben die Kunst des Köpfeschüttelns und Riffschleifens einstudiert und auch wie man in einer coolen Headbanging Reihe steht wie Status Quo! Die Band kam nur deshalb zustande, weil Keith und ich rocken wollten. In „The Old Grey Whistle Test“ haben wir gesehen, dass der nächste Schritt nach Gitarre kaufen und ein paar Riffs lernen ist, dass man sich in einer echten Rock n Roll Band an der Gitarre austobt. Also haben wir BLACKWATER FEVER gegründet. Soweit ich mich erinnern kann, war die Band ganz ok und spielte verschiedene, lange Musikstücke, die sehr düster waren und jede Menge Riffs hatten. Wir eiferten unseren Helden von BLACK SABBATH nach. Dann kam der Wechsel, oder die Verwandlung zu den DESOLATION ANGELS. Keith und ich hatten das Gefühl, dass es eine Veränderung für die neue Musik die wir machten, brauchte. Es brauchte einen neuen Anfang, einen frischen neuen Namen, ein neues Logo, eine peppigere Heavy Metal Rolle. Ebenso eine großartigere Vision und Vorstellung. Keith und ich haben uns kennengelernt als wir 12 und 13 waren, als wir beide in aneinandergrenzenden Straßen in einer Ortschaft namens Woodford (Essex, East London) wohnten. In diesen East Londoner Straßen nahmen die DESOLATION ANGELS ihren Anfang.

Ralf: Habt ihr mal gezählt, wie viele Schlagzeuger ihr in all den Jahren hattet?

Robin (lacht): Nein, das zähle ich nicht, aber vielleicht hat Keith eine Ahnung wie viele Schlagzeuger es gab? Ich persönlich denke mit der Band immer zukunftsgerichtet, wir müssen die Zukunft absichern. Man könnte es vielleicht als eine Art „survival of the fittest“ betrachten. Manche kommen durch, andere schaffen es aus verschiedenen Gründen nicht auf die notwendige Stufe. Und glaub mir, dass ist auch ein harter alter Rang.

Ralf: Gibt es noch etwas, das ihr unseren Leserinnen und Lesern mitteilen wollt?

Robin: Am 23. Februar kommt unser neues Album bei Dissonance Production raus. Es war ein mühevoller Weg hierhin, aber etwas so Besonders wie „King“ in petto zu haben macht alle diese Arbeit wett, und es treibt uns an. Keith und ich haben immer Riffs im Kopf. Riffs, die sich in unserem Wechselspiel zu Songs auswachsen. Riffs, die durch unsere Finger wandern und zu Heavy Metal Energie explodieren und auf den Griffbrettern unserer Gitarren Leben entfalten. Songs, die so erfüllt sind von den qualvollen Schmerzen einer verlorenen Liebe, so dass dein Herz vor Emotionen platzt (das sage ich mit einem leichten Grinsen). Sprengstoffgeladene Songs, die bestückt sind mit Drosselkugeln , die den Ärger und die Aggressionen eines, sagen wir, Arbeiters, aufstauen. Oder Zeit, die mit einem Flug durch das All und futuristische Themen verbracht wird, die durch kosmische Szenen aus jemandes Vorstellung entspringen. Vielleicht klingt es so, als sei der Songwriting-Prozess sehr einfach und leicht? Ernsthaft, wir beide haben eine Fülle von Musik und musikalischen Ideen zu geben, diese schwirren in unseren einfachen Köpfen umher. Wir haben großes Talent und Leidenschaft für Rock n Roll-Musik und wir lieben das auch verf***t nochmal“ (Das ist auch unser Fluch). Wir haben bereits alle Lieder fertig für das Kapitel nach „King“ und auch für danach ist noch genug übrig. Wir schreiben und sind auch miteinander im Wettstreit. Nicht alles was wir schreiben ist ausreichend, aber es passt zusammen, wir sind starke Songwriting-Partner. Es kommt da auch, wie in jeder Beziehung, zu Streitigkeiten. Manchmal reden wir wochenlang nicht miteinander. Aber wir sind eine Symbiose, und jegliche Unstimmigkeiten zwischen uns sind wie weggeblasen, wenn wir unseren DESOLATION ANGELS Heavy Metal Donner loslassen. Die Musik wischt alle internen Kabbeleien beiseite. In Bezug auf „King“ müsst ihr auch wissen, dass wir noch ziemlich angeheizt waren von den „Sweeter The Meat“-EP-Aufnahmen. Das war auch ein tolles Erlebnis! Mit all der Kraft und Energie im Rücken war es wirklich ein natürlicher Schritt das neue Material für „King“ zu erstellen. Wir waren bereit. Wir hatten das Rezept und das Gefühl und der Vibe für das neue Album standen. Wir wussten wo wir damit hinwollten. Es ist das, was wir beide immer wieder diskutieren. Wir hören nicht damit auf, über Heavy Metal / Heavy Rock zu diskutieren. Wir können damit gar nicht aufhören. Niemals!
In einer Rock n Roll Band zu sein bedeutet nicht Bier zu saufen und rumzuvögeln. Manchmal verändert sich die Stimmung in der Band dramatisch von einer Utopie hin zu totalem Pessimismus. Ich kann mir vorstellen, dass das völlig normal ist und der Grund warum sich so viele Bands auflösen, denn die ständigen Wechsel zwischen den Höhen und Tiefen in einer Band können sehr stressig sein. Für eine unabhängige Band wie uns, kostet ein Album wie „King“ ein Vermögen. Das sorgt für eine Menge Spannungen, wenn du deine unbezahlten Bemühungen für die Band in Einklang bringen musst mit deinem restlichen Leben. Sich zu verpflichten, die Verantwortung zu übernehmen, Vollzeit in einer Rock n Roll Band zu spielen, kann sehr schwierig sein. Wenn du dein eigenes Familienleben abwägst, gegenüber deiner lebenslangen Leidenschaft für die Musik, dann kann das einen großen Einfluss haben auf deine persönliche Entscheidung, wie du deinen Bandkollegen gegenüber trittst. Deshalb ist es verflucht schwer zu sagen in welche Richtung sich die DESOLATION ANGELS weiterentwickeln werden.
Andererseits haben wir gerade einen richtig guten Lauf und das kann sehr inspirierend sein. Ich denke wir haben einen Zukunftsplan. Wir wollen die DESOLATION ANGELS zu unserem Vollzeit-Abenteuer machen, in der Weltgeschichte touren, wie unsere Zeitgenossen. Wir wollen das Geld verdienen, das wir benötigen um den Nachfolger von „King“ zu machen. Wir geben unser Bestes und stellen sicher, dass die Heavy Metal Fahne jedem ins Gesicht schlägt, der versuchen dessen Aufsässigkeit zu missbilligen. Oder dessen Aggression zu zähmen. Uns geht es darum, durch „alltägliche Trivialitäten“ („Mundane Trivialities“)zu rasen und schmettern (um einen unserer nächsten Titel zu zitieren), unsere Stellung zu behaupten („Stand Your Ground“), die Fäuste zu ballen und verdammt nochmal zu ROCKEN. Prost euch allen!

Ralf: Vielen Dank euch, wir sehen uns auf eurer Tour.

Übersetzung: Manu Schon

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