unitopiabandlined.jpgIm in der progressiven Musik völlig unbedeutenden Australien versuchen in den letzten Jahren ein paar Bands diesen Zustand zu ändern. Eine davon sind UNITOPIA, die im Herbst ihr zweites Album „The Garden" vorgelegt haben, ein Review dazu gibt es hier. Gegründet wurde die Formation von Keyboarder Sean Timms und Sänger Mark Trueack, nahm anfangs sehr langsam fahrt auf, so dass man neun Jahre für das Debüt „More than a Dream" brauchte.
Nun hatte NECKBREAKER die Möglichkeit mit dem Mann an den Tasten, der auch für die Produktion verantwortlich ist zu reden. Dieser stellte sich als ein sehr netter, bescheidener Mensch dar, beantwortete die Fragen so ausschweifend wie auch das Album ausfiel. Darüber hinaus ist er sehr an den alltäglichen Dingen, die unser Leben betreffen interessiert und läuft mit offenen Augen durch die Welt.

MetalPfälzer: Hallo UNITOPIA, hier ist Rainer Petry vom deutschen NECKBREAKER - Magazin. Ich spreche einfach mal die gesamte Band an, da ich nicht weiß, wer die Fragen beantwortet. Demjenigen möchte ich zuerst einmal dafür danken, dass er sich die Zeit genommen hat, das zu tun. Euer zweites Album ist jetzt erschienen und hat mich sehr überrascht, denn Australien ist nicht gerade als Prog-Hochburg bekannt, dennoch besitzt es die gleiche Qualität wie die Produkte aus den führenden Prog-Nationen. Was inspiriert euch „down under" zu derartiger Musik?

unitopiaseankeys.jpgSean Timms: Hi Rainer! Danke für das Interesse an unserer Musik, wir fühlen uns geschätzt! Du unterhältst Dich im übrigen mit Sean Timms. Recht hast Du damit, dass Australien nicht für seinen Progressive Rock bekannt ist, was uns nicht davon abhält zu versuchen es auf der Prog-Landkarte zu markieren. Wir haben ein paar andere Progrock-Bands hier, die auch sehr stark sind, COG (der Redaktion bestens bekannt), THE THIRD ENDING oder THE MERLIN BIRD zum Beispiel.
Mark (Trueack, Sänger - Anm. des Autors) und ich sind die beiden Hauptsongwriter und wir sind von allen möglichen Dingen inspiriert. „321" in etwa wurde von der Geschichte der zwei verschütteten Minenarbeitern in Beaconsfield, Tasmanien inspiriert. Der Titeltrack handelt gleichsam vom Adelaide Fringe Festival´s Garden of unearthly Delights (ein Event das jährlich im Sommer im Stadtpark stattfindet und alle Arten Auftritte und Attraktionen präsentiert) und Hieronymus Bosch´s „Graden of unearthly Delights". „Inside the Power" thematisiert Mark´s Surferfahrungen und „Journey´s Friend" wurde kurz nach dem plötzlichen Tod eines meiner Freunde geschrieben.

MetalPfälzer: Die Musikszene in Australien ist momentan nicht sehr groß, in den frühen Achtzigern sah das besser aus mit Bands wie MIDNIGHT OIL, MEN AT WORK oder COLD CHISEL. Heute sind nur noch AC/DC sehr berühmt und neuerdings ein paar ihrer Kopien. Seid ihr von den klassischen Bands eurer Heimat beeinflusst und was hört der durchschnittliche Australier?

Sean Timms: Wir sind nicht direkt beeinflusst von diesen Formationen, aber wir bewundern sie sehr. Momentan ist der Geschmack der Leute stark von dem was im Radio und im Fernsehen präsentiert wird abhängig. Prog ist fast ein Unwort bei uns und es ist sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich Unterstützung durch die Medien zu bekommen. Die meisten Menschen bevorzugen die Pop Imports aus den USA und dem UK wie PINK, COLDPLAY und eine Menge Rap, Hip Hop und R&B. Viele mögen aber auch den guten, ehrlichen Rock´n´Roll und in ländlichen Gegenden hören sie auch Countrymusik.unitopiamarksinging.jpg

MetalPfälzer: Euer musikalischer Input reicht sehr weit über alle Phasen der Prog-Geschichte, dazu kommen Einflüsse von Jazz und Weltmusik. Bist Du damit aufgewachsen oder hast Du Dich erst später damit beschäftigt als Du angefangen hast selbst Musik zu machen?

Sean Timms: Ich wurde dazu erzogen alles von den BEATLES bis Dave Brubeck von Ravel´s „Bolero" zu Hank Williams alles zu hören, daher ist mein Geschmack sehr breit gefächert. Mein Vater kaufte mir mit 16 RICK WAKEMAN´s „Journey to the Centre of the Earth" und diese Scheibe veränderte mein Leben!
Ich habe in meiner Zeit als professioneller Musiker schon Klassik, Heavy Metal, Jazz, Pop-Rock und alles Mögliche dazwischen gespielt. Für die anderen Mitglieder der Band gilt das Selbe. In Australien leben nicht sehr viele Leute, daher kannst Du es Dir nicht leisten Dich auf einen speziellen Stil festzulegen. Hier muss man alle Arten von Musik verstehen und spielen können.

MetalPfälzer: Haben alle Bandmitglieder die gleichen musikalischen Vorlieben oder bringt jeder unterschiedliche Farben in eueren Sound?

Sean Timms: Mark und ich haben einen sehr ähnlichen Geschmack was Musik anbelangt, wir lieben beide Prog-Musik sehr. Beide sind wir Fans von GENESIS, YES, PETER GABRIEL, PINK FLOYD, etc., etc. und den neuen Prog-Bands wie PORCUPINE TREE, THE FLOWER KINGS, SPOCK´S BEARD und MARILLION. Ich mag auch sehr gerne Folkmusik und Countryrock in der Art von James Taylor, Al Stewart, Shawn Colvin, Alison Krauss und Nicolette Larson ebenso klassische und Filmkomponisten wie Gershwin, Thomas Newman und Stravinsky.
Mark hingegen mag elektronische Musik von VANGELIS oder JEAN MICHEL JARRE und hört auch gerne John Martyn und KATE BUSH. Shireen (Khemlani - Anm. des Autors), unsere Bassistin liebt Latinomusik, unser Drummer Monty (Ruggerio - Anm. des Autors) steht auf Jazzrock, Der Percussionist Tim (Irrgang - Anm. des Autors) ist ein wenig Heavy Metal-Fan, schwört aber ebenfalls auf klassische Musik und Jazz, während Matt, unser Gitarrist der typische Rock´n´Roller ist mit einer Leidenschaft für JOE SATRIANI.

MetalPfälzer: Wer schreibt eure Songs? Mehrheitlich die Gründer Mark und Sean oder trägt jeder seine Ideen zusammen?

unitopiamattguitar.jpgSean Timms: Mark und ich schreiben das meiste Material. Unser Gitarrist Matt (Williams - Anm. des Autors) arbeitete mit uns an zwei Liedern, „Love never ends", das zur Hochzeit mit meiner lieben Frau Amanda geschrieben wurde und „When i´m down".
Mitte der Neunziger, als Mark in Sydney lebte schrieb er ein paar Tracks mit dem dort ansässigen Produzent Matt Coxhead. Einer dieser Nummern war „This Life", die ich immer mochte, aber wir haben dann noch den Refrain umgeschrieben, änderten die Keyboards, das Tempo und ein paar Textzeilen, um ihn in den UNITOPIA-Stil zu bringen. Matt hörte die neue Version und war begeistert. Alle anderen Songs schrieben Mark und ich selbst.
Die anderen Mitglieder steuern viele Ideen zu den Arrangements bei, so kommt auch ihr Einfluss zum Tragen. Für das nächste Album planen wir auch die Songs mehr als Band miteinander zu schreiben und nicht nur wir beide.

MetalPfälzer: Schreibt jeder für sich alleine die Songs oder arbeitet ihr sie zusammen aus?

Sean Timms: Das kommt darauf an. Manchmal kommt Mark mit einer Idee zu mir und wir arbeiten sie gemeinsam aus, oder wir jammen einfach ein wenig im Studio, ein anderes mal schreibe ich die Musik alleine und Mark fügt seine Lyrics und die Melodie dazu! Wir machen eigentlich immer das was sich gerade ergibt, es gibt keinen festen Plan.

MetalPfälzer: Euer neues Album nahm keine so lange Produktionszeit in Anspruch wie euer erstes. Ist es, weil ihr ein konstanteres Line-Up habt, oder weil ihr euch jetzt mehr auf diese Band konzentriert?

Sean Timms: Als Mark und ich mit UNITOPIA anfingen, war das nur ein kleines Projekt, das wir in unserer Freizeit recht unregelmäßig betrieben. Da waren es auch nur wir beide und wir spielten zusammen so oft wir konnten. Darum brauchte es auch solange, bis unser erstes Album erschien. Zu Beginn hatten wir auch keine Erwartungen darin, aber als wir mehr Aufmerksamkeit bekamen, dachten wir, dass wir da was gutes am Start haben und fingen an das Songwriting ernsthafter zu betreiben.
Für das zweite Album wollten wir weg von dem Projektcharakter, mehr wie eine Band klingen als ein Duo mit Sessionsmusikern dazu. Obwohl Mark und ich in Vollzeitjobs arbeiteten, beschlossen wir mehr Zeit mit der Musik unserer Formation zu verbringen. Darum dauerte es nur drei Jahre für „The Garden", während wir für „More than a Dream" neun brauchten!unitopiashireenbass.jpg

MetalPfälzer: Welche musikalischen Erfahrungen hattet ihr bevor ihr UNITOPIA an den Start brachtet? Und was arbeitet ihr neben der Musik?

Sean Timms: Ich besitze und leite ein Tonstudio mit drei Aufnahmeräumen unter dem Namen Timms Tunes, Mark ist Kaufmann bei einer Baufirma, Shireen und Tim sind Musiklehrer, Monty betreibt einen Nachtclub und Matt hat auch ein Tonstudio. Alle Bandmitglieder sind erfahrene Musiker und haben schon in zu vielen Projekten gespielt, dass ich sie hier nicht aufzählen kann.

MetalPfälzer: „The Garden" ist ein sehr langes Album mit tonnenweise Ideen. Ist es so ausführlich geworden, weil ihr alle Sachen die ihr geschrieben habt verwirklichen wolltet, oder bildeten sich diese ganzen kleinen interessanten Details erst beim Produzieren heraus?

Sean Timms: Es war tatsächlich eher eine Kombination von beidem. Wir hatten nicht die Absicht ein Doppel-Album aufzunehmen, da wir nicht dachten, dass wir genug brauchbares Material haben. Nach einer Weile wurde uns bewusst, dass es doch zu viel Material für eine CD geben würde.
Ich machte immer wieder weiter fortgeschrittene Mixes für Mark, um sie in seinem Auto zu hören, damit er die passenden Änderungen und Vorschläge machen konnte. Eines Tages fragte mich Mark nach einem Silberling mit allen Tracks, die wir bisher aufgenommen hatten. Das stellte sich als nicht möglich heraus, da wir mehr als 80 Minuten Material hatten. Von da an hatten wir die Möglichkeiten entweder zwei separate Alben zu veröffentlichen, ein paar Songs fallen zu lassen und ein überlanges Einzelalbum rauszubringen oder eben eine Doppel-Scheibe zu machen. Da wir die Lieder als stark genug dafür erachteten, machten wir letzteres.

MetalPfälzer: Eure Texte handeln vom Sinn des Lebens, von dem Standpunkt des Einzelnen in dieser Welt. Sie thematisieren das ändern der Welt durch das eigene Verhalten. Was hat euch zu dem Konzept inspiriert und was wollt ihr damit ausdrücken oder bewegen? Welche „Lehren" können wir aus euren Kompositionen ziehen?

Sean Timms: Mark und ich denken, dass draußen in der Welt genug Negatives ist, ohne uns dazu zu zählen, von daher versuchen wir immer unseren Texten eine positive Note zu geben. Jeder fühlt sich den selben Fakten ausgesetzt wie wir, jeder fühlt die selbe Unsicherheit wie wir und stellt die gleichen Fragen wie „Wer bin ich?" oder „Wo ist mein Platz in dieser Welt?" Unser Ziel als Texter ist es ein Nachdenken zu provozieren, bedeutungsvolle Lyrics zu kreieren, die hoffentlich den Hörer inspirieren und ihnen die selben positiven Ansichten und Gedanken liefern!

unitopiamontydrums.jpgMetalPfälzer: Was ist wichtiger, die Musik oder die Texte? Ist Musik für euch etwas, mit dem ihr eure Ideen auslebt um damit die Leute zu unterhalten oder ist sie mehr ein Vehikel um eure Message zu transportieren?

Sean Timms: Das ist gleichsam wichtig denke ich. Die Musik öffnet die Seele eines Menschen, so dass die Bedeutung der Texte tief in das Bewusstsein eindringen kann. Wir konzipieren unsere Songs als progressive Rocksongs, weil das der Stil ist, der uns beiden am meisten entgegen kommt, aber theoretisch könnte es auch einfach Jazz oder Country sein. (Haltet Ausschau nach dem UNITOPIA-Country-Album, welches bald erscheint, haha)

MetalPfälzer: Sind eigentlich irgendwelche Mitglieder der Band politisch oder sozial engagiert?

Sean Timms: Mark und ich haben ein hohes ökologisches, umwelttechnisches und soziales Bewusstsein. Wir haben das Gefühl, dass die Texte unseren Standpunkt, aber nicht in einer belehrenden Weise zeigen. Wir wollen lediglich die Menschen dazu anregen einen Bezug zu den Problemen der Welt zu nehmen und zu schauen was man selbst tun kann. Wir sind auch politisch sehr gut informiert und haben eine zunehmend engere Beziehung zu unserer örtlichen Verwaltung. Dazu suchen wir ständig Wege, wie UNITOPIA diese bei Umweltproblemen wie Wasserknappheit und den daraus resultierenden Folgen für die Ökonomie, wie Arbeitslosigkeit, höhere Benzinpreise und Ernteausfall beraten können.

MetalPfälzer: Jetzt, da euer Album fertig ist, was sind eure nächsten Pläne, wird es eine Tour geben? Wie laufen eigentlich eure Konzerte in Australien? Und wo habt ihr bisher schon gespielt und plant ihr auch nach Europa zu kommen?unitopiatimpercussion.jpg

Sean Timms: Es wäre sehr aufregend für uns in Europa zu touren. Das hängt aber alles von den Verkaufszahlen ab, und ob wir Übersee-Tourneen überhaupt finanzieren können. Wir würden auch gerne Nordamerika betouren, aber wegen der abgelegenen Lage Australiens und unserem niedrigen Dollar ist es sehr schwer im Moment. Das wird uns aber nicht daran hindern es mit allen Mittel zu versuchen.
In Australien spielen wir nur wenige Konzerte, weil es hier kaum oder gar keinen Markt für unsere Art Musik gibt.

MetalPfälzer: Wollen wir das Beste hoffen! Gut, das war es von meiner Seite, nochmals Danke für die Antworten und viel Glück für die Zukunft!

Sean Timms: Ich danke Dir Rainer für Dein Interesse an unserer Musik und für dieses Interview. Dein Interesse und Deine Unterstützung für unsere Musik ist eine große Wertschätzung für uns. Wir fühlen uns geehrt und bescheiden diese Fragen gestellt bekommen zu haben und ich hoffe sie wurden zufriedenstellend beantwortet.
In Freundschaft,
Sean Timms!

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